Slavica ist 33 Jahre alt, hat zwei Kinder – und beginnt im August ihre FaGe-Ausbildung.
Text von Monika Schnoz
Was für viele nach einem mutigen Schritt klingt, ist für die gebürtige Kroatin eine logische Weiterentwicklung. «Ich wollte nicht stehen bleiben», sagt sie. «Ich möchte weitergehen und starte deshalb im Sommer 2026 meine nächste Ausbildung zur Fachperson Gesundheit.» Heute arbeitet Slavica als Pflegehelferin SRK im Zentrum Guggerbach in Davos. In wenigen Monaten startet sie die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit (FaGe) – im 80-Prozent-Pensum, parallel zum Familienalltag mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern.
Ankommen – Schritt für Schritt
Als Slavica vor zwölf Jahren aus Kroatien in die Schweiz kam, sprach sie kein Deutsch. «Das war sehr schwierig», sagt sie. «Ich musste zuerst die Sprache lernen und herausfinden, was ich überhaupt machen möchte.» In ihrer Heimat hatte sie eine fünfjährige Ausbildung als Maschinentechnikerin absolviert. Doch dieser Beruf passte nicht mehr zu ihr. «Zu wenig Menschen, zu wenig Kontakt», wie sie lachend erklärt.
Der Einstieg ins Berufsleben in der Schweiz begann pragmatisch. Slavica arbeitete in einem Restaurant – vor allem abends, um tagsüber für ihre Kinder da zu sein. In Kroatien hatte sie freiwillig in einem Kinder- und Altersheim gearbeitet. «Das hat mir immer gefallen und für mich wurde klar, dass ich in eine solche Richtung gehen und am liebsten in einem Pflegheim arbeiten möchte». Deshalb hat sie sich beim Zentrum Guggerbach beworben – ganz ohne eine Ausbildung in der Pflege. Sie bekam die Chance und absolvierte daraufhin berufsbegleitend den Pflegehelfer-Kurs des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK in Chur. Dass sie diesen Weg gehen konnte, liegt unter anderem an den Menschen um sie herum. «Ich habe viel Unterstützung bekommen. Und: musste mich nie wie eine Fremde fühlen.» Heute sagt sie klar: «Mein Herz ist hier.»
Den richtigen Moment abgewartet
Es ist kein Zufall, dass Slavica gerade jetzt die FaGe-Ausbildung. Es ist eine bewusste Entscheidung. Der SRK-Kurs und die Arbeit als Pflegehelferin waren für sie so ähnlich wie ein Test: «Passt das wirklich? Bin ich am richtigen Ort?». Die Antwort war schnell da und eindeutig. Slavica wusste, dass es passt und wollte noch mehr lernen und noch mehr Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig musste der Zeitpunkt stimmen. Mit zwei Kindern, einem Umzug und einem 80-Prozent-Pensum war lange nicht klar, wann dieser Schritt möglich ist. Slavic hat bewusst gewartet, bis es für ihre Familie passt.
Chance Erwachsenenbildung
Das Modell der Erwachsenenbildung macht es möglich: Slavica arbeitet weiterhin 80 Prozent und erhält ihren regulären Lohn. Die Schule absolviert sie innerhalb dieses Pensums. «Das ist für mich sehr wichtig», sagt sie. «und was für mich ebenfalls sehr wichtig ist: Ich bekomme die gleiche Unterstützung wie andere Lernende.» Slavica sieht diese Ausbildung nicht als Belastung, sondern als Chance. «Ich freue mich aufs Lernen.»
Ein abwechslungsreicher Beruf
Was ist es denn eigentlich, das Slavica in ihrer Tätigkeit im Pflegheim so gut gefällt? «Der Arbeitsalltag im Pflegheim folgt einer Struktur – und ist trotzdem nie gleich. Zudem ist jeder Mensch anders» erklärt sie. Was ihren Job ausmacht, sind nicht nur pflegerische Aufgaben, sondern Begegnungen, Gespräche und Humor. «Wir lachen viel. Wir reden viel. Und wir versuchen, den Menschen Freude zu bereiten». Dabei ist das Team zentral. Wenn jemand einen schwierigen Tag hat, unterstützt man sich gegenseitig und alle halten zusammen. Dieser positive und wertschätzende Umgang trägt durch den Alltag – auch an anspruchsvollen Tagen. Dass es auch emotional schwierige Seiten beim Beruf gibt, gehört dazu. Slavica hat für sich einen klaren Umgang gefunden und sie sagt, dass sie die Arbeit nicht mit nach Hause nimmt. Der Tod ist für sie Teil des Lebens. Schwieriger sind andere Momente: wenn Menschen leiden oder traurig sind und man nicht helfen kann.
Und trotzdem überwiegt etwas anderes. «Wenn jemand zufrieden ist. Wenn jemand fragt, ob ich morgen wieder komme und sich freut, wenn dem so ist.» Das sind für Slavica die schönsten Momente in ihrem Alltag. Pflege ist für Slavica mehr als ein Job. Es ist ein Beruf mit Bedeutung – für andere, aber auch für sie selbst. Sie hat gelernt, genauer hinzuschauen: auf das Leben, auf das Älterwerden, auf das, was wirklich zählt. Und sie weiss heute auch klarer, was sie will – und was nicht.
Mit der Ausbildung beginnt ein neues Kapitel. Vielleicht folgt später noch mehr – ein weiterer Abschluss, vielleicht sogar ein Studium. Sicher ist das nicht. Was sicher ist: Slavica geht ihren Weg. Schritt für Schritt.
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Wir wünschen ihr auf jeden Fall alles Gute für ihre Ausbildung und Zukunft. Vielen Dank, Slavica, dass du uns deine Geschichte erzählt hast.
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