Die 25-jährige Sina Furger ist mit Leib und Seele Pflegefachfrau im Altersheim Glienda in Andeer. Die berufliche Laufbahn der kreativen jungen Frau aus Hinterrhein begann aber ganz woanders: im Blumenladen.
Text von Madleina Barandun.
«Schon während der Lehre als Floristin merkte ich: Irgendwas fehlt», erzählt sie. Sina sei jeweils richtig aufgeblüht, wenn sie ältere Kunden bedienen durfte. «Ich helfe sehr gerne. Weil ich kein Blut sehen konnte, habe ich mich als 16-Jährige jedoch gegen den Pflegeberuf entschieden». Nach ihrer Lehre absolviert Sina ein Praktikum in einem Churer Heim, um mehr Gewissheit über ihren weiteren Weg zu bekommen. Später dann, bei der Arbeit als Pflegehelferin im Pflegeheim «Glienda» in Andeer, spürt sie: Hier passt es auf Anhieb. «Ich sah zum ersten Mal richtig in die Pflege hinein und war überzeugt, am richtigen Ort zu sein. Nun konnte ich mich von ganzem Herzen für die Ausbildung entscheiden». Ein wichtiger Faktor für ihre Entscheidung sei die familiäre und gemeinschaftliche Zusammenarbeit im Team gewesen. Auch wusste sie nun, dass sie die Arbeit mit den älteren Bewohnern glücklich machte. «Es erfüllt mich mit Freude, mit kleinen Gesten im Leben unserer Klienten einen grossen Unterschied zu machen», ergänzt Sina.
Per Quereinstieg in die Höhere Fachschule
Im Gespräch bespricht sie ihre Möglichkeiten mit der Pflegedienstleiterin und erfährt: Auch sie als Quereinsteigerin kann eine dreijährige HF-Ausbildung an der höheren Fachhochschule absolvieren, auch ohne FaGe-Lehre. Sina Furger fällt die Entscheidung, diesen Weg einzuschlagen, nicht leicht: «Ich hatte ziemlich Respekt davor, ohne Vorwissen und ohne
jegliche Kenntnisse von Fachkompetenzen in ein Studium einzusteigen», erklärt sie.
Trotzdem versucht sie es und sieht ihren Weg rückblickend gar als Vorteil. So musste sie sich alle Themen von Grund auf aneignen. «Im Gegensatz zu mir kamen die gelernten FaGes mit der Idee, vieles bereits zu wissen. Sie vertieften sich vereinzelt nicht so stark und hatten teilweise fast mehr Mühe mit dem Studium». Während der Vollzeitausbildung zur Pflegefachfrau mit Schwerpunkt Geriatrie blieb Sina Furger weiterhin beim «Glienda» angestellt. Im Gegenzug dazu verpflichtete sie sich, dem Betrieb mindestens zwei Jahre nach der Ausbildung treu zu bleiben.
Rasch in die Rolle hineingewachsen
«Während der verschiedenen Praktika kam ich in meinem neuen Beruf an, meine Unsicherheiten verschwanden», erinnert sich Sina Furger. Im kleinen Altersheim in Alvaneu durfte sie sämtliche neu gelernten Kompetenzen bereits anwenden. Auch einen Einblick ins Akutspital bekam sie, in der Abteilung Kardiologie. Obwohl ihr die medizintechnischen Handlungen gefielen, stand sie oft unter Zeitdruck. «Ich spürte, dass mein Platz in der Langzeitpflege ist, wo ich bewohnerzentriert und ganzheitlich arbeiten darf und mir bewusst Zeit für ein Gespräch nehmen kann.»
Und wie hat Sina Furger den Einstieg ins Studium an der HF gefunden? «Die Sicherheit nahm nach einem halben Jahr Schule zu, ich merkte, ich komme mit, ich komme mit dem Selbststudium klar.» Sie schätzte insbesondere die grosse Abwechslung: Vorlesungen zu verschiedenen Themen, ergänzt von praktischen Übungen. «Bei der Skills-Analyse konnten wir erlernte Handlungen an Puppen oder direkt aneinander anwenden. So lernte ich rasch viel.» Sina schafft es, ihr fehlendes Vorwissen im Selbststudium aufzuarbeiten und es mit neuen Inhalten zu verknüpfen.
Kein Stillstand in Sicht …
Nach Erhalt des Diploms im Herbst 2023 geht es gleich weiter. Die Heimleitung des «Glienda» legt grossen Wert auf Weiterbildungen und unterstützt diese auch finanziell und organisatorisch. So wird Sina von der Leitung angefragt, ob sie nicht Lust hätte, sich im Bereich Palliative Care weiterzubilden. «Ich sagte sofort zu. Ich fand das Thema nämlich schon während des Studiums spannend. Sterben und Tod sind ein wichtiger Teil unseres Alltags. Es gibt viele neue Erkenntnisse, gerade auch punkto Medikation und ganzheitliche Methoden, die wir noch lernen und in unser Heim integrieren können», meint Sina.
Sie entschliesst sich, ab Januar 2025 neben der Arbeit in Andeer ein CAS (Certificate in Advanced Studies) in St. Gallen an der Fachhochschule Ost zu machen. Die Kurse finden an zwei Tagen pro Monat statt, und Sina, die ihre Arbeit auf 90 % reduziert hat, wird ihr Studium im Sommer 2026 abgeschlossen haben. Als ob dies nicht genug wäre, wird Sina auch die Funktion der Gruppenleitung im «Glienda» übernehmen.
Die berufliche Reise der jungen Frau zeigt auf, welche unzähligen beruflichen Entwicklungen in der Langzeitpflege möglich sind. Von Anfang an wurde sie als vollwertiges Mitglied des Teams angesehen, eng begleitet, gefördert und gefordert. Zusammenfassend sagt Sina: «Ich erlebe meine Arbeit als sinnhaft. Ich kann Menschen im Heim eine möglichst hohe Lebensqualität ermöglichen und emotionale Momente mit ihnen teilen. In meinem Team darf ich offen kommunizieren, man geht wertschätzend mit mir um. Das Ganzheitliche ist megaschön, ich darf mit so vielen verschiedenen Berufen zusammenarbeiten.» Ganz bestimmt ist diese Reise noch lange nicht zu Ende.